Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie

20.03.2020

Die Berliner Galerien sind im Stand-by-Modus: Mit dieser Einschränkung reagieren sie auf die Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Berlin vom 17.03.2020, die u. a. Gewerbebetrieben mit Ausstellungen den öffentlichen Publikumsverkehr untersagt.

Für die Öffentlichkeit sind die Galerien geschlossen. Zahlreiche geplante Ausstellungseröff­nungen mussten ebenso abgesagt werden wie im Rahmenprogramm geplante Künstlerge­spräche, Diskussionen oder Performances, um nicht gegen das derzeit verhängte Versamm­lungs­verbot von mehr als 50 Personen zu verstoßen. Im Hintergrund arbeiten die Inhaber und Inhaberinnen der Galerien weiter und sind telefonisch und via E-Mail erreichbar.

Niemand kann derzeit abschätzen, wie lange das öffentliche Leben der Stadt und damit auch die wirtschaftliche Tätigkeit der Gewerbetreibenden heruntergefahren werden muss, um die durch das neuartige Corona-Virus ausgelöste weltweite Pandemie einzudämmen. Insbeson­dere für viele kleine und mittelständische Galerien ist diese Situation existenzbe­drohend. 

Nicht nur der eingeschränkte Zugang zu ihren Ausstellungsräumen und der Verzicht auf die Präsentation der Kunstwerke als Grundlage der Ansprache von Sammlern und Kunst­interessier­ten macht den Galeristinnen und Galeristen derzeit zu schaffen. Auch die Absage oder die Verschiebung zahlreicher wichtiger Kunstmessen vom Frühjahr auf den Herbst führt zu Umsatzeinbußen.

Seit Donnerstag steht überdies fest, dass der alljährliche Saisonauftakt für die Stadt – das Gallery Weekend Berlin – nicht wie geplant am ersten Mai-Wochenende stattfinden wird, sondern erst während der Berlin Art Week vom 10. bis 13. September 2020. Auch die paperpositions.berlin hat am Donnerstag ihre geplante Verkaufsmesse vom 30.04. bis 03.05. auf den Herbst verschoben.

Ein Großteil der rund 320 Berliner Galerien ist auf nationale oder internationale Messeteil­nahmen sowie verkaufsfördernde Formate wie das Gallery Weekend Berlin oder die Berlin Art Week angewiesen, dort wird der Großteil des Jahresumsatzes erwirtschaftet. Dies bestätigte zuletzt eine 2019 von lvbg und VBKI durchgeführte online-Umfrage unter den Berliner Galerien. Die Ergebnisse dieser Studie zeigten bereits „unter normalen Bedingun­gen“ den Handlungsbedarf der Berliner Politik auf, wenn der Kunstmarktstandort Berlin eine Perspektive haben soll. Nun hat sich die Lage dramatisch verschärft: Die Mieten – einer der größten Kostenfaktoren – und alle anderen Kosten laufen weiter, während der Geschäftsbetrieb auf unabsehbare Zeit ruht.

Der Landesverband Berliner Galerien (lvbg) hält es deshalb für dringend erforderlich, die Galerien der Stadt unter einen Schutzschirm zu stellen und durch finanzielle Unterstützung vor allem die Mietkosten der kleinen und mittelständischen Galerien abzusichern. Andernfalls ist zu befürchten, dass viele Galerien der Stadt bis zum Herbst Insolvenz anmelden müssen.

Eine weitere große Hilfe für die gesamte Branche wäre die Wiedereinführung des 2014 abgeschafften ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 7 % für Galerien durch die Bundesre­gierung.

Die Berliner Kunst- und Kulturszene ist kreativ und auch in der Krise nicht um phantasievolle Lösungsansätze verlegen. Sicherlich wird die Präsenz von Galeristinnen und Galeristen und das Engagement der in großer Zahl von ihnen vertretenen Künstlerinnen und Künstler in den Online-Medien enorm zunehmen. Auch der lvbg wird auf seiner Online-Plattform

berliner-galerien.de und auf Facebook und Instagram seine Aktivitäten stark erhöhen. Aber diese Bemühungen können die Betrachtung und Vermittlung vor originalen Kunstwerken in den Galerien oder auf Kunstmessen nicht ersetzen.

Der Landesverband Berliner Galerien (lvbg) fordert deshalb kurzfristig und unkompliziert durch die Galerien abrufbare Förderungen. Langfristig erinnert er an seine wiederholt geäußerte Forderung der Einrichtung eines runden Tisches, an dem Bedarfe der ver­schie­de­nen Kunstmarktakteure formuliert werden, damit diese bei den Haushaltsverhand­lun­gen 2021/2022 Berücksichtigung finden können.

Die Strahlkraft der Berliner Galerienlandschaft nach außen in die Welt und ihre enorme Bedeutung für das kulturelle Selbstverständnis der Stadt wurde und wird von niemandem in Frage gestellt – aber wenn die Galerien jetzt keine finanzielle Unterstützung erhalten, so ist der Kunstmarktstandort Berlin in seiner Vielfalt ernsthaft bedroht.

Der Landesverband Berliner Galerien (lvbg) wird im Austausch mit seinen Mitgliedern und den zahlreichen Akteuren und Partnern der Kunst- und Kulturszene der Stadt weiterhin Vorstellungen und Ideen für den Kunstmarktstandort Berlin entwickeln und auch im 25. Jahr seines Bestehens engagiert Stellung beziehen.

Werner Tammen, Andreas Herrmann, Nana Poll
Vorstand des Landesverbandes Berliner Galerien (lvbg)

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